(c) Silke Wild
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Sandra Bennua | Herstellerin

Sandra Bennua (geb. 1979 in Potsdam) hat mit der Ausbildung zur Verlagskauffrau in der Branche begonnen. In einem kleinen Ausbildungsbetrieb konnte sie nahezu alle Bereiche eines Verlages kennenlernen und sich darin ausprobieren. Nach dem Abschluss studierte sie an der HTWK (Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur) in Leipzig. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen Verlagen in der Herstellung.

Inzwischen ist sie als selbstständige Herstellerin tätig und bietet eine kompetente Rundumbetreuung für den Publikationsprozess an - vom Manuskript oder Idee bis hin zum fertigen Produkt.

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Die Herstellungsabteilung eines jeden Verlages ist wichtig im Produktionsprozess, dennoch können sich die Wenigsten etwas Konkretes darunter vorstellen. Bei neuen Bekanntschaften erkläre ich meinen Beruf jedes Mal aufs Neue. Denn Herstellerinnen sind die Unbekannten, anders als Autorinnen oder Lektorinnen, obwohl sich die LeserInnen am Ergebnis unserer Tätigkeiten tagtäglich begeistern.

Kurz gesagt begleiten wir Herstellerinnen den gesamten Produktionsprozess und konzipieren aus den einzelnen Bestandteilen ein fertiges Endprodukt. Dazu gehören klassische Druckerzeugnisse wie Bücher/Broschüren, Zeitungen/Zeitschriften, aber auch multimediale und elektronische Publikationen. 

Das Reizvolle für mich ist, dass ich dabei nicht nur mit allen Abteilungen innerhalb eines Verlages zu tun habe, sondern auch außerhalb mit verschiedenen Beschäftigten zusammenarbeite. Selbst im weiteren Produktionsverlauf bin ich eingebunden und begutachte teils die Aushänger (also die gedruckten, losen Seiten) und die gebundenen Seiten vorab – um später das druckfrische Buch in den Händen halten zu können. Wichtig ist zudem auch die Qualitätssicherung, d.h. ich prüfe die Druckqualität und die Verarbeitung der Materialen.

Und manchmal geht meine Arbeit auch darüber hinaus. Ich persönlich schätze die Zusammenarbeit mit der Lizenzabteilung und freue mich, wenn ein liebgewonnenes Buch dann auch noch im Ausland erscheint.

Auch wenn die Arbeit der Herstellerinnen hauptsächlich am Ende des verlagsinternen Produktionsprozesses steht, bevor es an die weiterverarbeitenden Unternehmen wie Druckerei und Binderei geht, sollten wir möglichst früh in die Produktentwicklung und Terminplanung einbezogen werden. Nur dann ist es möglich, alle verlegerischen, gestalterischen, betriebswirtschaftlichen und technischen Anforderungen umsetzen zu können. Darin liegt die Vielfältigkeit der Herstellung: Ich plane, koordiniere und kontrolliere den Herstellungsprozess und habe dabei auch immer die Gestaltung, die Druckvorstufe und Weiterverarbeitung im Hinterkopf – und das alles muss sich in dem zuvor vereinbarten Kosten- und Zeitrahmen bewegen.

Als Herstellerin benötige ich dabei viele Talente: Teamfähigkeit, Organisationstalent, analytische Fähigkeiten sowie ein ausgeprägtes Zahlenverständnis sind nur Beispiele. Auch eine gute Portion Kreativität, grafisches Gespür und Sinn für Typografie zeichnen mich als Herstellerin aus. Inzwischen ist es aber leider oft so, dass die Produkte eine standardisierte Ausstattung haben und sich so der kreative Teil meiner Arbeit verringert oder gar wegfällt. Aufgrund der Vielseitigkeit im Produktionsprozess sind HerstellerInnen dennoch auch in Zukunft nicht wegzudenken.

Was mir bei meiner Selbstständigkeit fehlt, ist der Austausch mit KollegInnen. So bin ich letztendlich zu den BücherFrauen gekommen. In meiner Regionalgruppe Mitteldeutschland habe ich diesen Austausch bei unseren regelmäßigen Stammtischen, aber auch überregional als Webtechnikerin der BücherFrauen. In dem Zusammenhang sind für mich auch die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt immens wichtig.